Guter Stress – schlechter Stress

Du hast Stress? 5 einfache Tipps um dennoch gesund zu bleiben

„Ich bin im Stress“
„Keine Zeit!“
„Mir wächst alles über den Kopf“

Wenn von Stress die Rede ist, denken wir meistens an nichts Gutes.

Wir geraten in Stress, wenn wir zu viele Aufgaben auf einmal und sofort erledigen sollen. Wenn wir zu viel Druck und zu viel Hektik verspüren. Zu viel aushalten müssen. Dann entsteht ein Gefühl von „mir ist alles zu viel“ und  „ich schaff das nicht mehr“.

Es ist die Belastung, die erschöpft und unsere Kräfte aufzehrt. Wir empfinden sie auf Dauer als negativ und schlecht. Wir fühlen uns den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen. Das ist negativer Stress und er kann zu gesundheitlichen Problemen führen.

Auf der anderen Seite gibt es auch positiven Stress. Er ist Ausdruck von Lebendigkeit, wird von der Person als angenehm und lustvoll erlebt. Er ist motivierend, steigert unsere Leistungsfähigkeit und fördert unsere Entwicklung.

Wo liegt der Unterschied zwischen positivem und negativem Stress?

Passt die Anforderung, entsteht guter Stress

Dazu ein Beispiel aus der Arbeitswelt: Ein Bauarbeiter, der einen Eimer Zement von A nach B tragen muss, ist im wahrsten Sinne des Wortes „belastet“. Seine Muskeln werden beansprucht. Sind seine gesundheitliche Verfassung, seine Größe und Stärke jedoch ausreichend, kann er der Belastung standhalten. Die Anforderung „passt“ zu seiner Belastbarkeit, also handelt es sich um guten Stress (Eu-Stress).

Ist die Anforderung zu hoch, entsteht schlechter Stress

Ist der Eimer mit Zement für den Bauarbeiter zu schwer, wird er durch die Belastung zu sehr beansprucht und es ensteht negativer Stress (Di-Stress).

Wird die Last durch zusätzliche Belastungen wie Konkurrenzdruck, schlechtes Betriebsklima, fehlende Anerkennung, schlechtem Führungsstil oder Mobbing noch erhöht, steigt die Beanspruchung weiter.

Es geht also bei Stress und seinen Folgen auch darum, inwieweit sich die Person, die der Belastung ausgesetzt ist, sich dieser gewachsen fühlt oder nicht.

Stress und Stressoren

Die Begriffe werden leicht verwechselt: in der Alltagssprache meinen wir mit Stress häufig das, was uns stresst. Zum Beispiel Zeitdruck, gesundheitliche oder finanzielle Sorgen, Ärger mit der Familie, familiäre Verpflichtungen. In der Stressforschung wurde dafür aber der Begriff Stressor geprägt. Das was uns stresst, der Stressauslöser ist der Stressor.

Das was uns stresst, der Stressor, löst dann eine Reaktion im Körper aus.

Und diese Reaktion des Körpers wird dann als Stress bezeichnet. Stress ist die Reaktion des Körpers auf eine Belastung und nicht die Belastung selbst!

Was stresst uns am meisten?

Stressauslöser können uns in der Arbeitswelt, in Beziehungen und Familie und sogar in der Freizeit begegnen. Dazu gehören unter anderem:

Zeit- und Termindruck, ständige Unterbrechungen, unklare Aufgaben, neue oder unbekannte Aufgaben und Situationen, ständige Erreichbarkeit. Informationsüberflutung oder Informationsmangel

Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, z.B. durch zu hohe oder zu geringe Anforderungen, zu viel Routine.

Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen oder Arbeitszeiten, z.B. nicht ergonomischer Arbeitsplatz, Lärm, Hitze, ständig wechselnde Arbeitszeiten

Gesundheitliche Probleme, z.B. Krankheiten, Folgen von Krankheiten, chronische Leiden.

Finanzielle Sorgen, z.B. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Ratenzahlungen.

Sorgen um die Gesundheit, Angehörige. Sorgen vor Jobverlust.

Häufige Auseinandersetzungen mit Anderen, z.B. Kollegen, Nachbarn, Vermieter.

Neben diesen chronischen Belastungen in Beruf und Alltag gibt es noch einschneidende Lebensereignisse, wie zum Beispiel den Tod eines nahen Angehörigen, Scheidung, schwere Krankheit, Schwangerschaft, Pensionierung, Schulwechsel. Diese extremen Belastungen können starke Stressreaktionen auslösen.

Dabei ist allen Stressauslösern gemeinsam, dass sie eine (unerwartete) Anforderung beinhalten, eine (neue) Anpassung an die Situation erfordern.
Dass sie nicht vorhersehbar sind. Und dass sie wenig beeinflussbar oder kontrollierbar sind.

Finde mit dem Stress-Test deine größten alltäglichen Belastungen heraus, um stressbedingten Krankheiten vorzubeugen.

5 Tipps wie du negativen Stress erkennen kannst

Tipp 1 „Ich kann nicht“

Du stehst einer wichtigen Herausforderung gegenüber und schätzt deine eigenen Kompetenzen als nicht ausreichend ein, um sie zu bewältigen.

Beispiel: Anna soll vor den Kollegen einen Vortrag zum Thema „Marketing“ halten.
Das Thema ist nur ein Randgebiet ihres Aufgabenfeldes und sie hat noch nie vor Publikum gesprochen.

Tipp 2 Zu lange und zu intensiv

Die Situation dauert zu lange an und übersteigt die eigene Belastungsgrenze.

Beispiel: Beate muss über Monate die Vertretung ihrer kranken Kollegin mit übernehmen. Die Aufgaben der Kollegin sind ihr nicht vertraut, sie kann nicht auf deren Unterstützung zurückgreifen.

Tipp 3 Leistungsfähigkeit sinkt 

Durch den andauernden Stress hat sich deine Leistungsfähigkeit deutlich verschlechtert.

Beispiel: Für Peter war es nie ein Problem 8 Stunden konzentriert zu arbeiten. Jetzt fühlt er sich schon nach ein paar Stunden müde, energielos und erschöpft. Die Energie für Hobbys und Familie fehlt immer mehr.

Tipp 4 Körperliche Symptome – ohne klare Ursache

Wenn wir dauerhaft gestresst sind, sendet unser Körper uns immer wieder Signale von Überlastung.  Diese frühen Warnsignale zeigen sich ganz verschieden und sind individuell. Häufig in Form von muskulärer Anspannung, Kopfschmerzen und Migräne, leichten Durchfällen, vermehrtem Harndrang, Schwindel. Gerne zeigt Stress sich immer wieder an unseren Schwachstellen: Herpesbläschen, stechende Schmerzen in Schulter- Nackenbereich. Übelkeit. Schlafstörungen. Ausschlag an einer ganz bestimmten Stelle.

Beispiel: Lisa leidet in stressigen Phasen immer wieder unter einem flauen Gefühl im Magen. Es lässt sich dafür keine organische Ursache finden.

Tipp 5 Erholungsphasen fehlen

Unser Organismus ist darauf ausgerichtet, dass nach jeder Aktivierung eine Erholungsphase folgt. Auf Anspannung erfolgt automatisch Entspannung. So hat die Natur es vorgesehen. Tägliche Erholung ist notwendig, um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit langfristig zu erhalten.

Beispiel: Marc hat vor lauter Stress in Arbeit und Familie keine Zeit mehr für Erholung. Selbst am Wochenende ist sein Tag gefüllt mit Aufgaben und Erledigungen.

In Kürze

Die durch einen Stressor ausgelöste körperliche Reaktion ist an sich nicht gesundheitsschädlich oder negativ. Neue Situationen und Herausforderungen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Wir brauchen sie, um uns weiterzuentwickeln und zu wachsen. Sie halten uns lebendig und setzen Energie frei. Erst wenn wir die Herausforderung mit dem Gedanken “ich kann nicht” belegen, sie zu lange andauert und keine Erholung folgt, können schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit entstehen.

Positiven, guten Stress erkennst du an folgenden Merkmalen:

Er ist angenehm und motivierend.

Die Situation ist aufregend und spannend.

Du bist motiviert und die Energie wird gebündelt.

Er verbessert und steigert deine Leistungsfähigkeit.

Er hält nur für kurze Zeit an.

 

Stress ist die Würze des Lebens

Richtig „dosiert“, so hat Hans Selye, der Pionier der Stressforschung es einmal formuliert, entstehen durch Stressoren neue Wachstumsreize, wir entwickeln neue Fähigkeiten und gewinnen neue Erkenntnisse.

Hier geht’s zum Stress-TestBelastungen in Beruf und Alltag erkennen.

3 Kommentare
  1. Jris
    Jris sagte:

    Hallo Marion
    das ist ein super Beitrag zu Stress! Die körperlichen Symptome können tatsächlich sehr vielfältig sein. Viele Frauen, die zu mir kommen, weil sie nicht abnehmen können, leben im Dauerstress. Entweder zu lange zu hohes Cortisol oder fast kein Cortisol mehr, weil die Nebennieren erschöpft sind – beides verheerend für die Hormonbalance.
    Jris

    Antworten
  2. Brigitta
    Brigitta sagte:

    Hallo Marion
    Ein sehr guter Artikel über Stress.
    Du hast es wirklich auf den Punkt getroffen.
    Leider ist in unserer Gesellschaft ausharren und durchhalten, auch wenns weh tut, ganz normal.
    Die Folgen sehen wir ja.
    Danke Brigitta

    Antworten
  3. Anita
    Anita sagte:

    Äusserst interessant auf den Punkt gebrachtes Thema. Auch die positiven Seiten des Stress, die durchaus auch seine Berechtigung hat. “Ich bin im Stress” wird gerne auch als Vorwand genommen, um interessant zu erscheinen. In welchem Kontext Stress auch immer besteht, es ist ratsam, immer wieder zu überprüfen, wie lange und welche Auslöser der Stress hat. Ansonsten langfristig schwere Erkrankungen resultieren können.

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